Schaden- Vermeidung geht das überhaupt? ( Teil I Das Rigg)

Erstellung einer Checkliste wie in der Fliegerei üblich.

Durch meine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem bekannten Flugzeugkonstrukteur und Chef-Testpiloten Siegfried Holzbaur hat sich mir das Erstellen von Checklisten besonders eingeprägt. Kein Flugzeug startet, ohne dass eine mehr oder weniger lange auf den Flugzeugtyp abgestimmte Checkliste abgehakt wird und somit die Funktion der einzelnen Komponenten überprüft und dokumentiert wird.

Es bietet sich daher an, diese bewährte Vorgehensweise auch in der Segelei gezielt anzuwenden.

Yacht- Checkliste über den Zustand von:

Wanten, Stagen, Wantenspanner, Bolzen, Sicherungsringe, Leinen, Fallen, Schäkel, Großbaum, Spibaum, Baumniederholer, Rollreffanlagen,

Bolzen müssen die passende Größe haben, Sicherungssplinte oder Sicherungsringe sollen unbeschädigt sein, sonst sofort austauschen. Alle Splinte oder Ringe sollten immer mit Gewebe Tape abgeklebt werden, um Beschädigung oder aufbiegen durch die Berührung mit Leinen oder Segeln zu vermeiden. Gerade der Spinnaker kommt bei leichten Winden oder beim Bergen mit fast allen Rigg Bereichen in Kontakt.

Alle Leinen Schoten und Fallen, welche durch Rollen oder im Mast laufen, sollten regelmäßig auf Scheuerstellen und Sicherung der Enden durch Knoten kontrolliert werden. Bei Starkwind und Welle lösen sich immer wieder Knoten von selbst und eine Leine oder Fall kann ausrauschen

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Soling Weltmeisterschaft 2013 Balaton Ungarn, wir segeln bei 6 Bft down wind und ich bemerke, dass sich das Tape am Vorstag Terminal über Deck gelöst hat und der vermutlich durch die Spischot aufgebogene Sicherungsring gerade aus dem Bolzen fällt. Schnell kann unser Vorschiffmann einen Ersatz Sicherungsring in den Bolzen stecken und nach tapen. An der Kreuz hätte es uns mit größter Wahrscheinlichkeit den Mast gekostet! (Bild Soling WM)

Regelmäßige Rigg Kontrolle auch während der Segelsaison ist ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, denn das Rigg ist unser Antrieb.

Mast legen am Kran:

Das Kranen ist in jeder Marina ein spektakuläres Ereignis welches sofort Schaulustige anzieht. Der verantwortliche Rigger sorgt dafür, dass keine Personen und vor allem keine Kinder sich im unmittelbaren Kranbereich aufhalten!

Der Kranhaken sollte unbedingt eine Öffnungssperre haben. Andernfalls muss die Kranschlaufe am Haken zusätzlich gesichert werden!

Vor dem Kranen Unterwanten lösen und die Kranschlaufe über die Unterwanten legen, damit die Terminals unterhalb der Saling nicht verbogen und beschädigt werden!

Erst wenn der Mast sicher im Kran hängt, alle Wanten und Stagen lösen und am Mast anbändseln.

Bei viel Wind sollte man möglichst nicht kranen!

Ist der Mast durch Deck geführt, vor dem Kranen die mögliche Hubhöhe des Krans überprüfen. Kranhaken am Mastenkran sollten abgepolstert sein, um Dellen und Beschädigungen am Mast zu verhindern.

Elektrik u. Elektronik:

Bevor der Mast gelegt wird, können noch alle Verbraucher wie Navibeleuchtung, Deckslampen, Windmesser, u.s.w. über das Bordnetz auf Funktion überprüft und in der Checkliste dokumentiert werden. Nach dem Mastlegen Kabel und Stecker auf Beschädigungen und Korrosion überprüfen, Verbindungselemente mit Vaseline schützen.

Rigg Pflege, Tipps zum Einwintern:

Mast, Baum, Spibaum und Rollreffanlage und Baumniederholer mir einer leichten Seifenlauge waschen und sorgfältig nachspülen. Alle Winschen und Rollreffanlagen gegebenenfalls einfetten, Fallscheiben mit Silikon Spray einsprühen.

Kugelgelagerte Rutschersysteme sollten nach der Reinigung nur mit Silikonspray behandelt werden, ebenso Schäkel und Schnappschäkel.

Alle Leinen und Fallen auf Defekte und Scheuerstellen überprüfen.

Extreme Krafteinleitungspunkte wie Lümmelbeschlag, Baumnierdeholer Beschläge am Mast und am Baum müssen auf Risse, Verbiegung oder Korrosion inspiziert werden. Gleiches trifft für Wantenterminals, Wantenspanner, Bolzen und alle Drähte zu. Ist an einem Draht eine Kardeele ( Einzeldraht ) gebrochen, muss sofort erneuert werden, Wanten sollten immer paarweise ersetzt werden.

Windex, Windmessanlage und Antennen sollten vor Einlagerung im Masten Regal demontiert werden um Beschädigungen zu vermeiden!

Checklisten kann man leicht auf den entsprechenden Yacht Typ anpassen und dann regelmäßig aktualisieren.

Viele begutachtete Schäden an Yachten haben im Verlauf meiner über 40 jährigen Sachverständigen Tätigkeit gezeigt, dass sie durch rechtzeitiges Überprüfen von Einzelkomponenten, hätten leicht vermieden werden können. Oft ist es „nur“ ein Bolzen oder Sicherungsring, welcher zum Mastbruch führt.

Ein weiterer gravierender Problempunkt sind überalterte Wanten und Stagen. Bei einem gerade besichtigten Mastschaden stellte sich heraus. Dass die gebrochene Unterwant 30 Jahre alt war. Der Mast war schon bei mittlerem Wind von 3 Bft in einer Bö gebrochen! Hohe Kosten und ein vorzeitiges Ende der Segelsaison sind dann die unschönen Begleiterscheinungen.

Umsicht ist besser als reparieren!

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