40. Yachting Festival in Cannes vom 12.- 17. September 2017

Die wohl bedeutendste In- Water Boat-Show in Europa hat sich offensichtlich vor der beeindruckenden Kulisse der Altstadt von Cannes an der Cote Azur zu einem fröhlichen und entspannten Festival entwickelt. Das sommerliche Wetter mit 26° und strahlendem Sonnenschein lässt die zahlreichen internationalen Besucher gut gelaunt kreuz und quer auf breiten Stegen durch den Hafen schlendern und Boote gucken.

Mit fast 500 Motorbooten und etwas über 100 Segelbooten wird dem Besucher schnell klar, dass hier der Schwerpunkt eindeutig auf dem Motorboot Sektor liegt. Trotzdem konnten namhafte Deutsche Werften wie Hanse, Bavaria, Dehler und nicht zuletzt der Hamburger Michael Schmidt mit seiner neuen Brenta 80` große Aufmerksamkeit erreichen. Neben zahlreichen Neuheiten und Weltpremieren sowie interessanten Fahrten- Katamaranen wird auch hier ein wachsendes Interesse an Elektrischen Antriebssystemen deutlich erkennbar.

Das auf dieser Messe, welche sich zu Recht „Festival“ nennt wahrscheinlich auch gut verkauft wird, liegt sicher nicht nur an dem qualitativ hochwertigen Angebot, sondern auch an dieser so hinreißenden französischen Atmosphäre und Lebensart!

Das gönn ich mir nächstes Jahr wieder!

Michael Meister

 

Schaden- Vermeidung geht das überhaupt? ( Teil I Das Rigg)

Erstellung einer Checkliste wie in der Fliegerei üblich.

Durch meine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem bekannten Flugzeugkonstrukteur und Chef-Testpiloten Siegfried Holzbaur hat sich mir das Erstellen von Checklisten besonders eingeprägt. Kein Flugzeug startet, ohne dass eine mehr oder weniger lange auf den Flugzeugtyp abgestimmte Checkliste abgehakt wird und somit die Funktion der einzelnen Komponenten überprüft und dokumentiert wird.

Es bietet sich daher an, diese bewährte Vorgehensweise auch in der Segelei gezielt anzuwenden.

Yacht- Checkliste über den Zustand von:

Wanten, Stagen, Wantenspanner, Bolzen, Sicherungsringe, Leinen, Fallen, Schäkel, Großbaum, Spibaum, Baumniederholer, Rollreffanlagen,

Bolzen müssen die passende Größe haben, Sicherungssplinte oder Sicherungsringe sollen unbeschädigt sein, sonst sofort austauschen. Alle Splinte oder Ringe sollten immer mit Gewebe Tape abgeklebt werden, um Beschädigung oder aufbiegen durch die Berührung mit Leinen oder Segeln zu vermeiden. Gerade der Spinnaker kommt bei leichten Winden oder beim Bergen mit fast allen Rigg Bereichen in Kontakt.

Alle Leinen Schoten und Fallen, welche durch Rollen oder im Mast laufen, sollten regelmäßig auf Scheuerstellen und Sicherung der Enden durch Knoten kontrolliert werden. Bei Starkwind und Welle lösen sich immer wieder Knoten von selbst und eine Leine oder Fall kann ausrauschen

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Soling Weltmeisterschaft 2013 Balaton Ungarn, wir segeln bei 6 Bft down wind und ich bemerke, dass sich das Tape am Vorstag Terminal über Deck gelöst hat und der vermutlich durch die Spischot aufgebogene Sicherungsring gerade aus dem Bolzen fällt. Schnell kann unser Vorschiffmann einen Ersatz Sicherungsring in den Bolzen stecken und nach tapen. An der Kreuz hätte es uns mit größter Wahrscheinlichkeit den Mast gekostet! (Bild Soling WM)

Regelmäßige Rigg Kontrolle auch während der Segelsaison ist ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, denn das Rigg ist unser Antrieb.

Mast legen am Kran:

Das Kranen ist in jeder Marina ein spektakuläres Ereignis welches sofort Schaulustige anzieht. Der verantwortliche Rigger sorgt dafür, dass keine Personen und vor allem keine Kinder sich im unmittelbaren Kranbereich aufhalten!

Der Kranhaken sollte unbedingt eine Öffnungssperre haben. Andernfalls muss die Kranschlaufe am Haken zusätzlich gesichert werden!

Vor dem Kranen Unterwanten lösen und die Kranschlaufe über die Unterwanten legen, damit die Terminals unterhalb der Saling nicht verbogen und beschädigt werden!

Erst wenn der Mast sicher im Kran hängt, alle Wanten und Stagen lösen und am Mast anbändseln.

Bei viel Wind sollte man möglichst nicht kranen!

Ist der Mast durch Deck geführt, vor dem Kranen die mögliche Hubhöhe des Krans überprüfen. Kranhaken am Mastenkran sollten abgepolstert sein, um Dellen und Beschädigungen am Mast zu verhindern.

Elektrik u. Elektronik:

Bevor der Mast gelegt wird, können noch alle Verbraucher wie Navibeleuchtung, Deckslampen, Windmesser, u.s.w. über das Bordnetz auf Funktion überprüft und in der Checkliste dokumentiert werden. Nach dem Mastlegen Kabel und Stecker auf Beschädigungen und Korrosion überprüfen, Verbindungselemente mit Vaseline schützen.

Rigg Pflege, Tipps zum Einwintern:

Mast, Baum, Spibaum und Rollreffanlage und Baumniederholer mir einer leichten Seifenlauge waschen und sorgfältig nachspülen. Alle Winschen und Rollreffanlagen gegebenenfalls einfetten, Fallscheiben mit Silikon Spray einsprühen.

Kugelgelagerte Rutschersysteme sollten nach der Reinigung nur mit Silikonspray behandelt werden, ebenso Schäkel und Schnappschäkel.

Alle Leinen und Fallen auf Defekte und Scheuerstellen überprüfen.

Extreme Krafteinleitungspunkte wie Lümmelbeschlag, Baumnierdeholer Beschläge am Mast und am Baum müssen auf Risse, Verbiegung oder Korrosion inspiziert werden. Gleiches trifft für Wantenterminals, Wantenspanner, Bolzen und alle Drähte zu. Ist an einem Draht eine Kardeele ( Einzeldraht ) gebrochen, muss sofort erneuert werden, Wanten sollten immer paarweise ersetzt werden.

Windex, Windmessanlage und Antennen sollten vor Einlagerung im Masten Regal demontiert werden um Beschädigungen zu vermeiden!

Checklisten kann man leicht auf den entsprechenden Yacht Typ anpassen und dann regelmäßig aktualisieren.

Viele begutachtete Schäden an Yachten haben im Verlauf meiner über 40 jährigen Sachverständigen Tätigkeit gezeigt, dass sie durch rechtzeitiges Überprüfen von Einzelkomponenten, hätten leicht vermieden werden können. Oft ist es „nur“ ein Bolzen oder Sicherungsring, welcher zum Mastbruch führt.

Ein weiterer gravierender Problempunkt sind überalterte Wanten und Stagen. Bei einem gerade besichtigten Mastschaden stellte sich heraus. Dass die gebrochene Unterwant 30 Jahre alt war. Der Mast war schon bei mittlerem Wind von 3 Bft in einer Bö gebrochen! Hohe Kosten und ein vorzeitiges Ende der Segelsaison sind dann die unschönen Begleiterscheinungen.

Umsicht ist besser als reparieren!

Probleme beim Yachtkauf? Kaufberatung durch Experten

Viel mehr als beim Autokauf ist die Anschaffung einer Yacht ein höchst emotionales Vorhaben. Die Verlockung zum Yachtkauf ist riesig. Die Freiheit, sich auf dem Wasser ungehindert zu bewegen, fremde Meere und Länder kennen zu bereisen ist einfach herrlich. Die eigene Yacht zu betreten, lässt augenblicklich den Alltag vergessen!

Meist hat sich der Kaufinteressierte im Verlauf einer Vorauswahl über Prospektmaterial oder Internet Recherche bereits in das „Schiff seiner Träume“ verliebt! Eine wahrhaft ungünstige Grundlage für eine erfolgreiche Kaufabwicklung.

Boote und Yachten sind technisch hochkomplexe Fahrzeuge und nur selten Großserien Produkte mit entsprechend hoher Standardisierung. Gerade der Erhaltungszustand, die Funktion aller Komponenten sowie die Festigkeit von Strukturen bei Gebrauchtyachten ist im Hinblick auf die oft lange Nutzungsdauer meist nur von Experten wirklich umfassend zu beurteilen.

Das Hinzu ziehen eines Sachverständigen hat zudem noch den großen Vorteil, dass in der direkten Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer eine dritte, unabhängige Person emotionsfrei, sachlich und kompetent den Zustand der Yacht beurteilt. Nur der Sachverständige kann aufgrund seiner Qualifikation und Erfahrung aufgedeckte Mängel bewerten und die Kosten für die notwendige Instandsetzung verifizieren.

Vor einiger Zeit habe ich einen Käufer bei der Besichtigung einer 16m Motoryacht in der Türkei beraten und dabei den technischen und optischen Zustand der Yacht begutachtet. Nach Feststellung einiger erheblicher Mängel wurde der erforderliche Aufwand der Instandsetzung verifiziert und die Kosten hierfür auf ca. 42T€ taxiert. Der ursprünglich vom Verkäufer geforderte Preis von 320T€ wurde dann nach Verhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer um 38T€ reduziert. Die Inanspruchnahme meiner Leistung kostete ca. 15% des taxierten Reparatur Aufwandes. Und wenn sich dann noch nach Vertrags- Abschluss Käufer und Verkäufer beim Experten für seine kompetente Begutachtung bedanken, geht man mit einem guten Gefühl von Bord!

Beim Neukauf einer Yacht verhält sich die Beratung grundsätzlich anders. Der allgemein hohe Qualitätsstandard auf der Grundlage der CE Zertifizierung ist eine gute Voraussetzung für geringe oder gar keine Mängel. Hier ist der Sachverständige hauptsächlich gefordert, den für den Käufer passenden Yacht Typ heraus zu finden und dann die geeigneten Ausrüstungs- Gegenstände für den entsprechenden Verwendungs-zweck beratend mit zusammen zu stellen. Meist ist der Käufer kaum in der Lage sich vorzustellen, wie sich das neue Boot in sein Lebensumfeld und das seiner Familie einfügen lässt, weil er die spezielle Carakteristik sowie die Möglichkeiten der Wunsch- Yacht ob Racer oder Family Cruiser kaum abschätzen kann. Immer wieder werden dann noch zusätzlich teure Ausrüstungsgegenstände geordert, welche später revierbedingt oft überhaupt nicht benötigt werden.

Der Sachverständige löst Probleme und kostet meist weniger als er einspart!